Für deinen Unterricht

Hier findest du hilfreiche Infos und Dokumente für deinen Unterricht über Film und das Filmemachen.

Film zur Gewaltprävention „Ich liebe deine Augen“

Laura liegt auf ihrem Bett und chattet auf ihrem Smartphone mit Tobi. Tobi sitzt mit einem Freund zusammen und schreibt Laura zurück. Laura und Tobi beginnen sich zu mögen. Tobis Freund möchte gerne was mit Tobi unternehmen. Doch Tobi chattet selbstvergessen mit Laura. Tobi möchte Laura näher kennenlernen. Tobis Freund beginnt, Tobi Tipps zu geben, was er Laura schreiben könnte. Tobi ist wenig begeistert von Tobis Tipps. Tobis Freund übernimmt jedoch das Smartphone von Tobi und beginnt, mit Laura in Tobis Namen zu chatten. Tobis Freund fordert Laura heraus, mehr von sich preiszugeben. In der Annahme, dass Tobi schreibt, schickt Laura ein Oben-ohne-Foto an ihn zurück. Tobis Freund fotografiert das Foto mit seinem Smartphone ab und zeigt das Foto am anderen Tag weiteren Schulfreunden auf dem Schulhof. Sensationslustig wird das „Nackt“-Foto an weitere Gruppen geteilt. Tobi kommt auf dem Schulhof hinzu, reagiert völlig entsetzt darauf, was sein Freund mit seinen vertraulichen Fotos gemacht hat, und versucht, die Fotos wieder zu löschen.

Unvermittelt wird Jan auf dem Schulhof von zwei Mitschülern angerempelt. Seine Schulsachen werden auf den Schulhof gekippt. Achtlos gehen die Mitschüler weiter. Sie warten im Klassenzimmer auf Jan und nehmen ihm sofort die Kappe vom Kopf. Jan versucht die Kappe wieder zurück zu bekommen. Wie ein Spiel beginnt die Szene, die Mitschüler spielen nach und nach mit. Eine Schülerin beginnt die Szene zu filmen. Schnell wird deutlich, dass das Spiel auf Kosten von Jan geht, doch keiner schafft es, auszusteigen. Jan versucht seine Kappe zu bekommen und rempelt eine Mitschülerin. In diesem Moment kommt die Lehrerin zur Tür herein und weist Jan zurecht. Jan ist verzweifelt und rennt aus dem Klassenzimmer….

Unvermittelt wird Jan auf dem Schulhof von zwei Mitschülern angerempelt. Seine Schulsachen werden auf den Schulhof gekippt. Achtlos gehen die Mitschüler weiter. Sie warten im Klassenzimmer auf Jan und nehmen ihm sofort die Kappe vom Kopf. Jan versucht die Kappe wieder zurück zu bekommen. Wie ein Spiel beginnt die Szene, die Mitschüler spielen nach und nach mit. Eine Schülerin beginnt die Szene zu filmen. Schnell wird deutlich, dass das Spiel auf Kosten von Jan geht, doch keiner schafft es, auszusteigen. Jan versucht seine Kappe zu bekommen und rempelt eine Mitschülerin. In diesem Moment kommt die Lehrerin zur Tür herein und weist Jan zurecht. Jan ist verzweifelt und rennt aus dem Klassenzimmer….

Unvermittelt wird Jan auf dem Schulhof von zwei Mitschülern angerempelt. Seine Schulsachen werden auf den Schulhof gekippt. Achtlos gehen die Mitschüler weiter. Sie warten im Klassenzimmer auf Jan und nehmen ihm sofort die Kappe vom Kopf. Jan versucht die Kappe wieder zurück zu bekommen. Wie ein Spiel beginnt die Szene, die Mitschüler spielen nach und nach mit. Eine Schülerin beginnt die Szene zu filmen. Schnell wird deutlich, dass das Spiel auf Kosten von Jan geht, doch keiner schafft es, auszusteigen. Jan versucht seine Kappe zu bekommen und rempelt eine Mitschülerin. In diesem Moment kommt die Lehrerin zur Tür herein und weist Jan zurecht. Jan ist verzweifelt und rennt aus dem Klassenzimmer….

 

Ein guter Film sollte auf der Tonebene mit ähnlicher Kunstfertigkeit wie auf der Bildebene gestaltet sein. Ein Film mit gutem Bild und dürftigen Ton verliert schnell an Wirkung. Der Ton unterstützt die Bildwirkung und den dramaturgischen Bogen der Geschichte. Er vermittelt Ort, Zeit und Sprache und verortet den Zuschauer in die Handlung. Der Ton kann handlungsrelevante Informationen beinhalten, die im Bild nicht gezeigt werden. Auch kann man Frequenzen, Rhythmen und dynamische Entwicklungen von Geräuschen einsetzen, um unbewusst Emotionen zu erzeugen. Des Weiteren beeinflussen die unterschiedlichen Genres mit ihren spezifischen Klängen die Tongestaltung.

Das breite Feld des Tons setzt sich grob aus folgenden Elementen zusammen:

Sprache

Hiermit ist die gesamte Bandbreite der menschlichen Stimme gemeint: vom Flüstern bis zum Schrei, vom Originalton, nachsynchronisierter Dialog, sonstiger Sprache (TV-Stimme, Flughafen-Durchsagen etc.) bis zur Erzählerstimme. Die Vielfalt der menschlichen Stimme kennt keine Grenzen. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass die meisten Filme mit Sprache überladen sind und das gesagte Wort meist nicht die Kraft von Bildern und Tönen erreicht.

Musik

Filmmusik ist Musik, die Filmbilder begleitet und einen unsichtbaren emotionalen Faden entlang der Geschichte spinnt. Weiter unten beschäftigen wir uns ausführlicher mit diesem Thema.

Atmos

Darunter versteht man akustische Beschreibungen von Lebewesen oder Objekten in der realen Welt: Windrauschen, Regen, Straßenlärm, Stimmengewirr etc. Sie werden auch Atmospheric Effects genannt und fußen auf gehörten Erfahrungen sowie Eindrücken die wir seit Geburt an über unsere Umwelt sammeln.

Geräusche

Grundsätzlich versteht man darunter die Fülle an aufgenommenen Location-Geräuschen, am Drehort aufgenommenen Nur-Tönen (Production Effects), sowie Geräuschen wie Türen, Telefon, Autos etc. (Sound Effects) und nachgemachte oder, durch Geräuschemacher erschaffene Töne, wie Schritte, Kleidung etc.

Oft kommt es vor, dass für ganz bestimmte Ereignisse, ganz gleich ob im Bild oder nicht, Geräusche oder Klanggebilde benötigt werden, die in der realen Hörwelt so nicht vorkommen, oder aus völlig anderen Zusammenhängen stammen. Da setzten die Geräuschmacher ein, die oftmals mit viel akustischer Phantasie alltäglichen Gegenständen besondere Sounds entlocken. Reiskörner auf ein Aluminiumblech rieseln lassen erzeugt das Geräusch von Regen. In ein Mikro hauchen hört sich wie eine Explosion an. An der Innenseite eines bauchigen Trinkglases reiben klingt wie das Quaken von Fröschen. Streift man mit zwei Schuhbürsten über ein Noppenkissen, ist es als würde man das Meer rauschen hören. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, das passende Geräusch zu finden und zu erschaffen.

Stille

Dies ist ein kostbares Gut. Sie wird selten und präzise eingesetzt. Sie kann die Zeit im Film betonen, verlängern und ausdehnen. Auch kann sie, wenn sie statt einem erwarteten akustischen Ereignis eingesetzt wird, wie etwa einem Schuss oder einem Knall, deren Wirkung noch übertreffen.

Ton versus Bild

Die Aufgabe des Tonmeisters ist, die visuelle Perspektive akustisch nachzubilden, oder die Grundlagen schaffen, diese in der Tonmischung nachzubauen. Die akustische Perspektive bezieht sich auf die Nähe zum Tonereignis. Wenn der Anteil vom direkten Ton höher ist als der Anteil seiner Reflektion, sprich, seines Echos, sind wir nah an der Tonquelle dran. Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, sind Aufnahmen in freier Natur, wo kaum Reflektionen vorkommen.

Da der Tonmeister die Aufnahmen am Set nur über seine Kopfhörer kontrolliert, ist es kaum möglich, die Aufnahmen auf alle Anforderungen der späteren Wiedergabe (Kino, TV, Web) zu prüfen. Daher ist die Lösung, die akustische Perspektive in der Mischung nachzubilden, oftmals die beste, da die Gestaltungsmöglichkeiten so größer sind. Daher nimmt der Tonmann die Stimmen möglichst sauber isoliert und mit hohen Nutzsignal auf. Die Geräusche und die Atmos werden meist auf separate Spuren gelegt.

Ton-Postproduktion

Nachdem der O-Ton am Set aufgenommen und unter die Video-Dateien angelegt wurde, wartet man auf den fertigen Bildschnitt, den sogenannten Picture Lock, um mit der Audio-Postproduktion anzufangen. Unter dieser versteht man die Gestaltung aller – bis auf die Musik – akustischer Elemente: Sprache, Geräusche, Atmos und Soundeffekte. Die Ton-Postproduktion gliedert sich in folgende Arbeitsschritte: Dialogschnitt/O-Ton-Schnitt, Synchronaufnahmen und –schnitt, Geräuschaufnahme und schnitt, Sound Design sowie die Mischung. Aus Platzgründen gehen wir hier nur auf Sound Design sowie Mischung näher ein.

Sound Design

Der Begriff Sound Design bezeichnet die Tongestaltung, bzw. die kreative Arbeit mit Klängen und Geräuschen. Das Ziel ist, mittels eingefangener Töne und Klänge (Sprache, Dialog, Atmos, Geräusche) einen gehaltvollen und glaubwürdigen Klangteppich für jede Szene im Film zu bauen.

 

Mischung

Jeder Film verfügt über mehrere Tonspuren, die am Ende der Postproduktion in der Tonmischung über ein Mischpult zusammengefügt werden. Die Töne mit denen man arbeitet, egal ob am Drehort erzeugt oder aus dem Archiv genommen, werden in einzelne Tonspuren organisiert: eine Tonspur für Dialog, eine für Atmo, eine für Geräusche usw. Die Töne aller Tonspuren werden gemeinsam wiedergegeben, gemäß einem Mischplan bearbeitet und das Mischergebnis wieder aufgezeichnet. Dabei werden die Audiopegel angepasst, Mischungsverhältnisse hergestellt, Klangveränderungen und –Korrekturen durchgeführt, Geräusche und Archivtöne hinzugefügt sowie gestalterische Effekte (wie etwa Hall) erzeugt.

Die Mischung findet in einem Studio statt, welches über ähnliche Abhörbedingungen verfügen sollte wie die Wiedergabe bei der Aufführung. Kinofilme sollten daher in größeren Studios gemischt werden, deren Grundriss, Reflektionsverhalten und Abhörlautsprecher denen eines Kinos vergleichbar sind. Fernsehproduktionen können auch in kleineren Studios mit Lautsprecher, die für geringen Abstand zum Tonmeister optimiert sind, abgemischt werden.

Filmmusik

Sie bildet Gefühlszustände ab und intensiviert unsere Wahrnehmung. Sie kann mittels Rhythmus unsere Atmung und Herzschlag beeinflussen. Lautstärke und extreme Frequenzen regen unser vegetatives Nervensystem und unser Gemüt an. Sind die machtvollen Instrumente der Filmmusik gekonnt eingesetzt, freuen, trauern oder haben wir Angst – und das alles ohne realen Grund. Hierfür braucht es keine permanente Berieselung. Die Musik kann im Hintergrund rauschen oder punktuell als Stilmittel eingesetzt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man:

Realmusik

Auch On- oder Source Musik genannt: Die Musik ist Teil der filmischen Realität, hat eine Quelle (Source) in der Handlung (diegetische Musik) und die Protagonisten können sie hören.

Off-Musik

Auch Score-Musik genannt: eigens für den Film komponierte oder zusammengestellte Musik, die nicht Teil der Filmhandlung ist und nur vom Kinopublikum wahrgenommen wird (nicht-diegetische Musik). Sie wird meistens speziell für den Film komponiert. Manchmal wird sie auch aus bestehenden Werken arrangiert.

Das Ziel der Filmmusik ist, die Wirkung der Bilder und der Geschichte zu unterstützen. Somit ist sie ein wichtiger Bestandteil der allumfassenden Dramaturgie. Ein und dieselbe Szene oder Bild erlauben viele Möglichkeiten, sie zu beschreiben, zu bearbeiten und mit ihr umzugehen. Grob gesehen kann man zwischen verschiedenen Arten von Filmmusik unterscheiden:

  • Musik, die Stimmungen untermalt und Atmosphären schafft
  • Musik, die das Thema, das Genre, den historischen Kontext, gesellschaftliche Milieus und den Ort des Geschehens vermittelt
  • Musik, die das subjektive Zeitempfinden des Zuschauers beeinflusst
  • Musik, die auf Zusammenhänge in der Handlung hinweist.
  • Musik, die im Zuschauer Verwirrung, Spannung und Widersprüche erzeugt

Gewöhnlich sind Vorspann und Abspann musikalisch dominant unterlegt. Im Verlauf der Filmhandlung variiert die Musik, tritt stellenweise in den Hintergrund und nimmt rein instrumentale Formen an, um das Geschehen zu kommentieren. Bei Szenenwechseln, Ellipsen, Parallelmontagen oder Montagesequenzen fungiert die Musik als akustische Klammer, in dem sie die Übergänge und Szenenfolgen als zusammengehörig definiert. Auch können dadurch Handlungsstränge voneinander abgegrenzt werden.

Beim Einsatz von Filmmusik sollten ein paar Dinge beachtet werden:

  • Wie stark soll der Einsatz von Musik im Film sein? Möchte man einen unaufdringlichen Klangteppich oder sollten, wie etwa bei Animationsfilmen, Bewegungen von Figuren oder Ereignisse akzentuiert werden?
  • Welchen Rhythmus hat der Film? Welche ist die allgemeine Geschwindigkeit? Wie soll die Szene geschnitten werden?
  • Soll man die Assoziationen, die durch starke visuelle Szenen ausgelöst werden, verstärken oder konterkarieren?

All diese Fragen sollte man möglichst detailliert mit dem Regisseur besprechen. Es lohnt sich, so früh wie möglich das Drehbuch zu lesen. So kann man bereits in der Vorproduktion erste Vorschläge liefern. Oft braucht es mehrere Anläufe, um den richtigen Soundtrack zu finden. Je öfter man bereits zusammengearbeitet hat, desto besser versteht man einander und kommt schneller an den Punkt. Mit einer szenengenauen und detaillierten Anpassung kann man natürlich erst dann anfangen, wenn der Bildschnitt steht, der sogenannte Picture Lock.

Bilder, unterschiedliche visuelle Sprachen und bildliche Inhalte sind fester Bestandteil unserer Welt. Bilder transportieren Gefühle, erschaffen Stimmungen, erzählen Geschichten. Nachdem man einen Film gesehen hat, sind es meist die Bilder, die einem im Gedächtnis bleiben. Hiermit wollen wir Werkzeuge an die Hand geben, mit denen man Bilder spielerisch erzeugen und gestalten kann. Je besser man die Grundlagen beherrscht, desto freier ist man in der Gestaltung seiner eigenen Fotos und Bewegtbilder. Die wichtigsten Bildgestaltungswerkzeuge werden in diesem und den drei folgenden Beiträgen vorgestellt: Brennweite, Blende, Belichtungszeit, Perspektive, Einstellungsgrößen, bewegte Kamera, Bildausschnitt (Kadrage), Lichtgestaltung, Farbdramaturgie und letztlich Bildkomposition. Die filmischen Gestaltungsmittel werden in der Praxis meist parallel benutzt, sodass es mitunter eine Herausforderung ist, diese voneinander zu isolieren. Das wichtigste Instrument der Bildgestaltung ist das Auge selbst. Es lohnt sich, einen Blick auf die alten Meister zu werfen und sich die Gemälde anzuschauen und zu analysieren. Je mehr Gemälde, Fotografien oder Bilder man bewusst betrachtet, desto mehr werden eigener Blick und Wahrnehmung geschärft.

Belichtung

Um richtig belichten zu können, sind grundsätzlich fünf Werte zu berücksichtigen:

  • Blende/Lichtwert, ist sowohl für den Foto- als auch den Videobereich essenziell
  • Belichtungszeit/Verschlusszeit, im Fotobereich hat man hier mehr Spielraum und Gestaltungsmöglichkeiten
  • ISO/ASA-Wert, in der Fotografie wichtig, im Videobereich nur in speziellen Fällen
  • Filter, interessant im Videobereich
  • Gain/Verstärkung, wichtig im Videobereich

Wann ist ein Foto richtig belichtet?

Dies ist der Fall, wenn das abzubildende Motiv (Person, Objekt) so aussieht wie gewünscht. Außerdem sollten in den dunklen sowie hellen Bildbereichen „Zeichnung“ vorhanden sein, d. h. es sollte keine schwarzen (Unterbelichtung) oder weißen Flächen (Überbelichtung) geben.

Blende/Lichtwert

ist die Größe der Öffnung im Objektiv, durch die Licht eindringen kann. Diesen Wert bekommt man meistens von der Kamera direkt. Eine andere Möglichkeit ist, diesen Wert von einem Belichtungsmesser abzulesen und ihn manuell an der Kamera einzustellen. Im Objektiv befinden sind kleine Lamellen, die den Innendurchmesser des Objektives verändern können, die sogenannte Iris-Blende.

Die Blende wird in „f“ (engl. Fraction, dt. der Bruchteil) angegeben. Die Blendenzahl kommt vom „Bruchrechnen“. Blende 4 steht für 1/4 einer komplett offenen Blende. Hier die „Internationale Standard Blendenreihe“:

1– 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32 – 45 – 64 – 90

Die schwarz markierten Werte sind die gängigsten. Zwischen diesen Werten gibt es noch weitere Abstufungen. Objektive mit Blende f=1 bis f=4 bezeichnet man als lichtstark. Ihr innerer Aufbau leitet besonders viel Licht auf den Sensor, was schnelles Scharfstellen und sehr kurze Verschlusszeiten erlaubt. Günstigere Standardobjektive bieten als kleinste Blendenzahl meist Werte um f=5,6. Somit muss es vier Mal so hell sein, um die gleiche Belichtung wie bei f=2,8 zu erhalten.

Faustregel: eine niedrige Blendenzahl lässt viel, eine hohe Blendenzahl wenig Licht auf den lichtempfindlichen Sensor.

Belichtungszeit/Verschlusszeit

ist die Zeitspanne, in dem ein lichtsensibles Medium (Filmmaterial oder CMOS- bzw. CCD-Sensor) zur Aufzeichnung eines Bildes dem Licht ausgesetzt ist. Direkt vor dem Kamerasensor befindet sich der Verschluss. Dieser wird im Moment des Auslösens für die eingestellte Zeit geöffnet. Verschlusszeit wird in t (eng. time, dt. die Zeit) angegeben. Die Verschlusszeit gibt vor, wie lange Licht auf den Sensor fallen soll. Einstellbare Werte sind (gesprochen jeweils 1/x, wobei x die folgende Zahl ist):

1–2– 4–8–15–30 – 60 –125 – 250 – 500 – 1000

1 bedeutet, der Verschluss ist 1/1 Sekunden, sprich eine Sekunde lang offen. Bei 1/2 ist es dann eine halbe Sekunde. Zwischen diesen Werten gibt es weitere Abstufungen. Zusätzlich verfügen viele Fotokameras über die Einstellung „Bulb“ – der Verschluss bleibt so lange offen, wie der Auslöser gedrückt wird. Dies kommt insbesondere bei Nacht- oder Langzeitbelichtungen zur Anwendung.

Bildrate/Framerate

In der Film- und Videotechnik ist die Bildrate (BpS = Bilder pro Sekunde bzw. fps = frames per second) ein weiterer Einflussfaktor. Sie bezeichnet die Anzahl der Einzelbilder pro Sekunde. Im Kino-Bereich sind 24 fps üblich. Im Fernsehbereich arbeitet man in Europa (PAL/SECAM) mit 25 fps, in den Vereinigten Staaten (NTSC) mit 29,97 fps. Die Unterschiede gehen zurück auf die unterschiedlichen Hertzfrequenzen des Stroms in Europa und in den Vereinigten Staaten. Eine Sequenz, die mit niedriger Bildfrequenz aufgenommen wird, sprich, wenn man mit weniger Bilder pro Sekunde arbeitet, nennt man Zeitraffer. Bei einer hohen Frequenz, also bei mehr Bilder pro Sekunde, spricht man von Zeitlupe. Je nach Bildrate verändert sich die Belichtungszeit. Die Belichtungszeit im Videobereich beträgt immer das Doppelte der Bildrate. Bei einer Bildrate von 24 fps ist die Belichtungszeit 48 die Höchste. Bei einer Bildrate von 25 fps, beträgt die höchste Belichtungszeit 50. Kürzere Belichtungszeiten sind möglich, längere hingegen schwierig.

Faustregel: Im Videobereich beträgt die Belichtungszeit das Doppelte der Bildrate.

Zusammenspiel Blende, Verschlusszeit, Lichtbedarf und Schärfe

  • Blende f=2 – kleiner Bereich scharf – wenig Licht notwendig – kurze Verschlusszeit möglich
  • Blende f=16 – großer Bereich scharf – viel Licht notwendig – lange Verschlusszeit notwendig

Je mehr Fläche man auf dem Bild scharf abgebildet haben will, umso mehr Licht muss vorhanden sein oder umso länger muss die Verschlusszeit sein. Je dunkler es ist, umso länger muss die Verschlusszeit sein oder umso größer die Blendenöffnung. Damit verringert sich jedoch der Bereich der Schärfe. Bei langer Belichtungszeit stellt sich rasch eine Bewegungsunschärfe ein. Falls gewünscht, kann man diesen Umstand bewusst als Gestaltungsmittel einsetzen.

ISO / ASA

bezeichnet die Lichtempfindlichkeit des Films oder des Sensors (des Kamera-Chips). Bei analogen Filmen richtete sich die Lichtempfindlichkeit nach dem Material. Das Korn des Negativfilms nahm die Lichtinformation auf. Je nach Korngröße war das Material unterschiedlich lichtempfindlich. Der Nachteil war, dass die Filmkörnung als Rauschen sichtbar werden konnte. Auch musste man, um einen anderen ISO Wert zu verwenden, die Filmrolle tauschen. Digitale Kameras simulieren diese Funktion durch veränderbar angelegte Spannung an den Sensor. Je höher diese Spannung, umso lichtempfindlicher ist der Sensor. Die Videokameras sind „geratet“, sprich, auf einen bestimmten ISO-Bereich abgestimmt. Dieser wird Sweet Spot genannt und fällt, je nach Kameramodell unterschiedlich aus. Die meisten Amateurvideokameras haben diesen Bereich automatisch eingestellt. Für alle anderen gilt: dieser Bereich ist in den Handbüchern meist nicht zu finden. Man kann ihn allerdings in einschlägigen Internet-Foren finden, oder aber man testet seine Kamera selbst. Es lohnt, den Sweet Spot herauszufinden und einzustellen, da man dadurch den größten Blendenumfang erzielt. Wenn man sich außerhalb dieses Bereiches bewegt, kann es zu Bildverlusten in den Tiefen und Lichten bzw. in den Schwarz- und Weißanteilen, kommen. Man kann durch das Erhöhen der ISO Werte die Verschlusszeit verkürzen. Je höher die ISO-Zahl, umso größer ist das Bildrauschen und somit auch der Qualitätsverlust. Es hängt von der Beschaffenheit der einzelnen Kamera ab wann das Bildrauschen einsetzt.

Einstellbare Werte sind:

100 – 400 – 800 – 1000 – 3200 …

Moderne Kameras bieten ISO Werte von über 100.000 an. Somit kann man auch in Situation mit wenig Restlicht (Konzerte, Veranstaltungen, Klubs, Hallen, usw.) noch Aufnahmen erstellen.

Faustregel: Je höher die ISO-Zahl über dem Idealwert des Sensors liegt, umso größer ist das Bildrauschen und somit auch der Qualitätsverlust.

Zusammenspiel Blende, Belichtungszeit und ISO

Die Abstände von einem Wert zum Nächsten sind bei Blendenzahl, Verschlusszeit und ISO gleich groß. Ausgehend davon, dass sich die richtige Belichtung nicht ändert, kann man jeden beliebigen Wert ändern – wenn man den verbundenen Wert um die gleiche Stufenzahl in die andere Richtung korrigiert. Änderungen sind meist in ganzen, halben oder Drittelstufen möglich:

  • Blendenzahl plus eine Stufe erfordert Verschlusszeit minus eine Stufe
  • oder Verschlusszeit plus eine Stufe erfordert ISO Wert minus eine Stufe
  • oder ISO Wert plus eine Stufe ermöglicht Blendenzahl plus eine Stufe

oder in Zahlen (alle Wertepaare ergeben die gleiche Belichtung):

  • Blende f=4 | t=1/200s | ISO=200 (Vorgabe)
  • Blende f=4 | t=1/400s | ISO=400 (kürzere Verschlusszeit)
  • Blende f=8 | t=1/200s | ISO=400 (größerer Schärfebereich)
  • Blende f=4 | t=1/100s | iso=100 (geringeres Bildrauschen)

Wofür ist die Blende gut?

Die Blende regelt die Helligkeit und wirkt sich indirekt auf die Schärfentiefe aus. Ich habe die Möglichkeit, bestimmte Bereiche im Foto scharf darzustellen und den Rest unscharf zu lassen. Damit werden bestimmte Teile im Bild besonders hervorgehoben, wie etwa:

  • möchte ich nur eine Bildebene, wie zum Beispiel die Bildebene der Augen einer Person, scharf abbilden: kleiner Bereich = kleine Blendenzahl – bis Blende 4
  • möchte ich ein Gruppenfoto machen, bei dem Menschen in mehreren Reihen stehen: mittlerer Bereich = mittlere Blendenzahl – Blende 8 – 11
  • soll in einem Landschaftsbild das gesamte Foto möglichst scharf abgebildet werden:
    großer Bereich = große Blendenzahl – ab Blende 16

Und natürlich gibt es Tabellen mit ablesbaren Schärfentiefenwerten. Die sind jedoch nur dann hilfreich, wenn man einen Film dreht.

Filter

Mit Kamerafiltern können Helligkeit, Sättigung, Kontrast oder UV-Licht verändert werden. Die meisten Filter reflektieren einen Teil des einfallenden Lichtes, sodass weniger Licht das Objektiv erreicht. Diese Belichtungsreduktion wird durch den Filterfaktor angegeben. Dieser ist meist an der Fassung des Filters angegeben und bei der Belichtung zu beachten. Die wichtigsten technischen Filter sind: Polarisationsfilter (oder Polfilter) und ND-Filter (Neutraldichte- oder Graufilter genannt). Die anzuwenden ist hilfreich, da ihre jeweiligen Auswirkungen im Nachhinein nur sehr aufwendig hergestellt werden können. In der Digitalfotografie werden Effekt-, Farb- sowie Grafikfilter meist im Zuge der Bildbearbeitung angewendet. Diese Filter haben keine Auswirkungen auf die Helligkeit. Weiterhin haben Digitalkameras einen integrierten ND-Filter, den man, je nach Bedarf, einfach ein- oder ausschwenken kann. Der Vollständigkeit halber sei hier noch der UV-Filter erwähnt, der allerdings keine Auswirkung auf die Helligkeit hat.

Gain/Verstärkung

Der Gain steht bei Videokameras für die Verstärkung der Lichtempfindlichkeit und wird in Dezibel (dB) angegeben. 0 dB bedeutet keine Verstärkung, 6 dB doppelte Verstärkung (eine Blendenstufe ), 9 dB dreifache Verstärkung (1 ½ Blendenstufen), 12 dB vierfache Verstärkung (2 Blendenstufen), 18 dB achtfache Verstärkung (3 Blendenstufen) und 24 dB sechzehnfache Verstärkung (4 Blendenstufen). Dabei wird das Bildrauschen mit verstärkt. Zwar sind Aufnahmen mit einem hohen Gain bei fast völliger Dunkelheit möglich, jedoch ist das Bild dann mit starken Rauschen belegt. Daher werden solch hohe Verstärkungsfaktoren nur in Ausnahmefällen verwendet.

Faustregel: Je höher der Gain-Wert, desto höher sind Lichtempfindlichkeit und Bildrauschen.

Brennweite

Unter Brennweite versteht man die Entfernung zwischen Linse eines Objektivs und ihrem Fokus (Brennpunkt). Der Brennpunkt ist der Ort, an dem parallele Lichtstrahlen von der Linse in einem Fleck fokussiert werden. Je größer die Brennweite eines Objektivs ist, desto weiter entfernt kann man vom Motiv sein, um es formatfüllend auf den Sensor zu bannen. Je kleiner die Brennweite ist, desto näher können Sie an ein Objektiv herangehen. Somit legt die Brennweite fest, wie groß der Bildausschnitt bzw. Blickwinkel ist, der auf dem Kamerasensor abgebildet und gefilmt werden soll. Die Brennweite wird in Millimeter (mm) angegeben und steht meist auf dem Objektiv. Die Wahl der Brennweite ist für die Bildwirkung entscheidend. Insbesondere drei Faktoren sind dabei zu beachten:

  • Die Schärfentiefe
  • Die Verdichtung oder Dehnung des Raumes und der Eindruck von Plastizität
  • Der Bildausschnitt

Im Folgenden stellen wir die unterschiedlichen Brennweiten vor. Die Einteilung der Objektive in Weitwinkel, Normal- und Telebrennweitenbereiche beruht auf der Sensorgröße der Kamera und kann, je nach Kameramodell, stark variieren. Bei Kleinbildformat gelten Brennweiten zwischen 18 und 35 mm als Weitwinkel. Objektive im Bereich 40 bis 50 mm sind der Normalbereich. Objektive ab 50 mm markieren den Tele-Bereich.

Weitwinkel

Meist haben diese Objektive eine großflächige Frontlinse. Hier wird das Bild zerstreut und im hinteren Bereich des Objektivs gesammelt. Ein Weitwinkel-Objektiv verändern die Dinge, die wir damit aufnehmen, gegenüber unserer normalen Wahrnehmung mit dem Auge recht deutlich: es wird mehr Raum erfasst und die Abstände zwischen den Objekten vergrößern sich. Je nach Grad des Weitwinkels kann es zu gewissen Verzerrungen kommen. Man kann diese Wirkung bewusst einsetzen, um eine Szenerie zu dramatisieren. Denn die Schärfentiefe ist, selbst bei offener Blende, beim Weitwinkel sehr groß. Meist ist vom Vordergrund bis zum Hintergrund alles scharf. Als Extrembeispiel sei hier das sogenannte Fischauge-Objektiv angeführt, dass extreme Verzerrung von Raum und Objekt erzeugt.

Normal- oder Standardbrennweite

Diese Art des Objektivs entspricht ziemlich genau dem Bildwinkel, mit dem unser Auge die Welt wahrnimmt. Die aufgenommenen Gegenstände werden weder verkleinert noch vergrößert, die Abbildung weder verkürzt noch vergrößert. Entsprechend beliebt ist es und wird häufig verwendet. Der Tiefenschärfe-Bereich ist relativ groß, jedoch kleiner als bei einem Weitwinkel-Objektiv. Der Einsatzbereich ist universell und die Abbildungsqualität hoch. Diese Brennweite ist die bevorzugte Wahl bei Porträtaufnahmen. Dieses Objektiv zeigt ein pures Bild, ohne Überhöhung oder technische Effekte. Für manche Kameraleute die hohe Kunst, für andere ein unerträglicher Zustand.

Teleobjektiv

Mit Teleobjektiven wird der Ausschnitt, den man aufnimmt, enger. Größere Entfernungen werden verkürzt. Die Teleobjektive modellieren das Objekt, welches man aufnimmt, aus dem Hintergrund heraus. Ihre Schärfentiefe ist nicht groß, der Bildhintergrund wird rasch unscharf. So wird der bildwichtige Teil verschönert dargestellt. Das Gesicht oder das Objekt im Vordergrund wirkt präsenter und gleichzeitig flacher. Das Gesamtbild fällt oftmals vielfältiger, reicher und interessanter aus.

Schärfentiefe

Unser Auge will geführt werden. Wir wollen auf die wichtigen Elemente hingewiesen werden, zu viele Details überfordern sehr. Somit ist die Schärfe, nebst Bildkomposition, Bildausschnitt, Lichtgestaltung und Farbgebung ein mächtiges und präzises bildgestaltendes Mittel. Ein Objekt oder ein Mensch, der sich vor einem unscharfen Hintergrund befindet, gewinnt an Bedeutung, da er nicht mit einem detailreichen, gestochen scharfen Bildhintergrund konkurrieren muss. Als Faustregel gilt: Je größer die Schärfentiefe, desto größer der Bereich, in dem alles scharf abgebildet wird, je kleiner, desto geringer ist dieser Bereich, desto eher verlieren sich Konturen in der Unschärfe.

Faustregel: Kleine Blendenzahl = kleiner Bereich wird scharf abgebildet / Große Blendenzahl = großer Bereich wird scharf abgebildet

Perspektive

Der Begriff bezeichnet das räumliche Verhältnis von Objekten im Raum. Die Kamera führt den Blick des Betrachters. Die Perspektive nimmt den Blick des Betrachters vorweg. Solange sich die Kameraposition nicht verändert, bleibt das Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund und somit der Perspektive, gleich. Dann ist es nämlich egal, ob man ein Weitwinkel oder ein Teleobjektiv verwendet. Auch wenn man statt Wechselobjektiven ein Zoomobjektiv benutzt, ändert sich die Perspektive beim Verstellen der Brennweite nicht. Bildausschnitt, Blickwinkel und somit der Raum und das abgebildete Motiv wirken zwar anders. Doch um die Perspektive zu verändern, lohnt es sich, sich im Raum zu bewegen und die entsprechende Kameraposition zu suchen. Entscheidend ist hier der Aufnahmestandpunkt.

Aufnahmestandpunkt

Er bestimmt die perspektivische Darstellung. Diese bleibt auch bei unterschiedlichen Brennweiten (Objektive) und verändernden Abbildungsmaßstäben stets gleich. Wenn man die Perspektive verändern möchten, muss man den Kamerastandpunkt verändern. Erst bei einer Kamerafahrt (Dolly, Steadycam, Kran, Drohne, usw.), verändert sich die Perspektive. Wenn die Abstände zwischen den dargestellten Personen und/oder Gegenständen gleich geblieben sind, ist der Kamerastandpunkt und damit auch die Perspektive gleich geblieben. Dies ist der wesentlichste Unterschied zwischen einer Zoomfahrt (kontinuierliches Verändern der Brennweite an einem Zoomobjektiv, auch „Gummilinse“ genannt) und einer echten Kamerafahrt. Nur eine echte Kamerafahrt erlaubt veränderte Perspektiven und kommt damit der natürlichen Bewegung eines Menschen in einen Raum hinein recht nah.

Bezogen auf die Veränderung der Größe eines Objektes oder einer Person kann man eine vergleichbare Wirkung sowohl durch Änderung der Brennweite (bei festem Kamerastandpunkt) als auch durch Veränderung der Kameraposition bei gleichbleibender Brennweite erzielen. Wenn zwei unterschiedlichen Arten von Fahrt gegenläufig miteinander kombiniert werden – eine Schienenfahrt auf eine Person zu und optisch mit dem Zoomobjektiv in gleichem Maße weg von der Person – so verändert sich die Größe der Person trotz Fahrt nicht, spricht man vom „Vertigo-Effekt“. Diese Technik wurde meisterhaft in Hitchcocks gleichnamigem Film eingesetzt.

In dem Verhältnis Motiv zur Höhe der Kamera wird zwischen Frosch-, Normal- und Vogelperspektive unterschieden:

Die Froschperspektive

dramatisiert die Bildwirkung, indem sie den Betrachter klein und das Motiv groß, mächtig, überlegen und bedrohlich wirken lässt. Besonders gerne wird diese Perspektive im Horror-, Mystery- und Science-Fiction-Genre verwendet. In der Fotografie findet dieser Blickwinkel seine Anwendung in der Mode- und Hochzeitsfotografie.

Die Vogelperspektive

dramatisiert ebenfalls die Bildwirkung, indem sie Distanz zum Motiv schafft. Der Betrachter wird über das Motiv erhoben. Die abzubildende Person oder das Objekt wirken ungefährlich, schwach und ohnmächtig. Diese Perspektive erzeugt den Eindruck der Geringschätzigkeit. In Italo-Western wurde diese Perspektive oft und gerne gewählt, um Gauner abzubilden. Es lohnt, darauf zu achten, dass man Kinder von deren Augenhöhe aus fotografiert, und nicht die Perspektive des Erwachsenen einnimmt, da sonst eine abschätzige Wirkung entsteht.

Die Normalperspektive

befindet sich auf Augenhöhe oder der Herzenshöhe des Betrachters und somit auf einem neutralen Standort. Diese ist eine Perspektive ohne Wertung. Das Motiv ist mit der Kamera auf derselben Ebene. Diese Perspektive verändert die Bildwirkung nicht und stellt somit, ästhetisch gesehen, zugleich auch die größte Herausforderung dar. Beim Film gerne im Arthouse-Segment, wird sie in der Fotografie insbesondere bei Porträts und Landschaftsaufnahmen angewendet.

Einstellungsgrößen  

Seit tausenden von Jahren werden in der bildenden Kunst ähnliche Größen bei der Darstellung der Welt und ihrer Lebewesen verwendet. Dies beruht vermutlich auf unserem Gesichtskreis, unserer Wahrnehmung und unserer Seherfahrung. In der Filmgeschichte gab und gibt es unendlich viele Versuche, diese Darstellungsgrößen – auch als Einstellungsgrößen bekannt –  zu variieren. Ob man experimentierfreudig oder eher klassisch unterwegs ist: es lohnt, die Regeln und die Bedeutung der einzelnen Bildausschnitte zu kennen.

Mindestens genauso wichtig wie der Bildausschnitt ist die Reihenfolge der Einstellungsgrößen. Da ein Film vor allem im Zuschauer stattfindet, ist es von großer Bedeutung, die Bilder folgerichtig aneinanderzureihen und somit beim Publikum die gewünschte Emotion zu erzeugen. Idealerweise erschaffen die gewählten Bilder eine fließende Handlung, unterstützen die Dramaturgie und kreieren die gewünschte Atmosphäre.

Handy, PC, TV oder Kino?

Das angewendete Zielmedium, in dem das fertige Produkt gezeigt wird, spielt bei der Wahl der Einstellungsgröße eine entscheidende Rolle. Je größer der Bildschirm bzw. die Leinwand, desto weiter können die Einstellungen sein, desto langsamer können sie gefilmt werden und desto länger kann man sie stehen lassen. Für den kleinsten Bildschirm, sprich, für das Handy eignen sich nähere Bildausschnitte. Hier ist die Handkamera ein probates Stilmittel, von dem man bei einem kleinen Bildschirm auch kein Kopfweh bekommt. Für den größten Bildschirm, das Kino, sollten die Einstellungen länger sein, die Schwenks ruhiger und die Kamerabewegung präzise ausgeführt sein.

Faustregel: Je größer der Bildschirm oder die Leinwand des Präsentationsmediums, desto weiter der Bildausschnitt und ruhiger die Kamerabewegung.

Die Wahl des Bildausschnitts

Die wichtigste Frage bei der Wahl des Bildausschnittes ist: mit welchen Bildern erzähle ich meine Geschichte am besten? Welche Gefühle will ich beim Zuschauer erzeugen? Wo setzte ich die Spannung? Ist diese im Bild, am Bildrand, oder vielleicht außerhalb des Bildes?

Man kann eine eskalierende Unterhaltung mit anschließender Schießerei zweier Männer klassisch erzählen: anfangs zeigt man die beiden Männer neben einander in einer Halbtotale, dann jeden der beiden Männer einzeln in einer Nahaufnahme. Von beiden wird gleich viel gezeigt und wir erhalten alle Infos, die wir brauchen, um die Szene zu verstehen. Doch es ist langweilig. Warum? Weil wir nicht nah genug an der Dramaturgie der Szene dran sind. Der Zuschauer will die dramaturgische Aktion sehen, er will mitkriegen wie die Männer erzürnen, wie sie schießen. Die intensiven und emotionalen Details sind es, die uns vor dem Ofen hervorlocken. Wir wollen sehen, wie die Männer nach ihrer Waffe greifen, vielleicht die Hand an den Auslöser legen, die Waffe abfeuern. Um mehr Dramatik zu erzeugen, könnten wir die beiden Duellanten in einer Totalen zeigen: ihre Energie, ihre Körperspannung und –haltung, wie sie sich zu- und auseinander bewegen, einander umkreisen. Immer wieder schneiden wir Großaufnahmen rein: die Augenpartie – der Moment wie der Mann erzürnt, der Moment wie sich die Hand an den Halfter legt, eine Großaufnahme vom Finger am Abzug. Natürlich entsteht im Schnitt – wo die Einstellungen aneinandergereiht werden – erst die richtige Emotion, Rhythmus und Spannung. Schneiden kann man letztlich nur, was gedreht wurde und eben nicht, was nicht gedreht wurde. Deswegen lohnt, sich vor dem Dreh intensiv Gedanken zu machen, wie man die Geschichte zeigen und auflösen will.

Die Einstellungsgrößen und ihre Wirkung

Hier ein paar allgemein gültige Bewertungen der verschiedenen Einstellungsgrößen:

  • Supertotale (Long Shot)

Sie zeigt Landschaften aus großem Abstand. Sie wird oft statisch gedreht, da im Bild viel passiert, wie etwa: zwei Heere laufen aufeinander los, zwei Cowboys reiten aufeinander zu, etc. Meistens wird sie verwendet, wenn man fürs Kino arbeitet.

  • Totale (Wide Shot)

Sie führt die Örtlichkeit und meistens auch die Handlung ein. Sie verschafft Überblick und führt ins Handlungsgeschehen ein. Sie ist nicht nur für die große Leinwand gedacht. Man kann sie mit einem Schwenk, einer Dolly- oder Kranfahrt dynamisch gestalten, z.B. kann man mit dem gerade ankommenden Protagonisten mitschwenken und so den Raum gleich mitetablieren.

  • Halbtotale (Full Shot)

Sie zeigt einen Menschen („Ganzkörperansicht“) oder ein Objekt vollständig. Diese Einstellung wird verwendet, um eine Person einzuführen oder sie zu begleiten. Auch hebt sie ein Objekt aus der Beliebigkeit hervor und setzt es mit der direkten Umgebung in Verbindung. Des Weiteren eignet sie sich gut, um eine Gruppe in Szene zu setzen.

  • Die Amerikanische (Three Quarter Shot)

Sie zeigt eine Person zwischen Knie und Hüfte aufwärts. Ihren deutschen Namen verdankt sie der Verwendung bei Duell-Szenen in Western-Filmen. Filmheld, Halfter, Colt und die „ziehende“ Hand konnten nur in dieser Einstellungsgröße gemeinsam ins Bild gesetzt werden. Auch eine kleine Gruppe Menschen kann so gut gezeigt werden.

  • Die Halbnahe (Medium Shot)

Sie zeigt den Oberkörper, erfasst die Gestik und Gefühlsregungen der betreffenden Person. Sie lenkt unser Interesse auf die Person, sie steht im Vordergrund. Der Raum ist kaum noch spürbar.

  • Die Nahe (Close Up)

Sie zeigt den Kopf einer Person formatfüllend. Dieser Ausschnitt zeigt Gefühlsregungen, ohne dabei unnatürlich groß zu werden. Wir stellen damit Nähe zur Filmfigur her, können ihr Verhalten, Aktionen und Reaktionen zeigen. Der Ausdruck und die Mimik der gezeigten Person steht im Mittelpunkt. Dies ist die typische Einstellung, um Gefühle zu zeigen.

  • Großaufnahme (Extreme Close-Up)

Kinn und Stirn sind angeschnitten. Eine besonders dichte Einstellungsgröße, die man mit Bedacht einsetzen sollte. Sie kann innere Zustände und Emotionen besonders intensiv abbilden und entwickelt bei der Darstellung von Personen eine sehr intime Wirkung.

  • Detail (Detail Shot)

 

Man kann handlungsrelevante Details eines Objektes oder des Körpers einer Person zeigen, wie etwa die Hand einer Person. Sie eignet sich auch, um atmosphärische Elemente, wie wirbelnde Staubpartikel in der Luft, Zellenstrukturen etc., abzubilden.

Bewegte Kamera – Schärfe und Unschärfe 

Schärfe ist die Unterscheidbarkeit von Details in einer Aufnahme. Physikalisch vorhandene Schärfe ist hier zweitrangig. Entscheidend ist vielmehr der Schärfeeindruck, sprich, der Anschein der Schärfe. Diese Bewertung speist sich aus unserer täglichen Sehgewohnheit. Durch diverse Umstände, wie Medienauflösung, Bildgröße, Betrachtungsabstand und -zeit, Bildaussage und eigene Erwartung, entsteht das individuelle Schärfemaß des Betrachters. Faktoren, die Schärfe beeinflussen, sind: die Aufnahmebedingungen (Licht, Entfernung, Wetter, Bewegung), die Technik (Linse, Auflösung, Steuerung, Bildspeicher, Zubehör), das Motiv an sich (Kontrast, Helligkeit, Farbe, Strukturen), die Postproduktion (Fixierung, Kamerasoftware, Unscharfmaskierung, Ausbelichtung) sowie schließlich die Umstände der letztlichen Beurteilungssituation (Druckqualität, Bildprojektion, Raumlicht). Unschärfe ist demnach der Mangel von Unterscheidungsmerkmalen zwischen Original und Bild. Sie definiert sich als die Ungenauigkeit eines Objekts oder Sachverhalts – immer in Abhängigkeit vom Kontext der Betrachtung. Demnach bestimmt vor allem der Kontext die Wahrnehmung als „scharf“ oder „unscharf“.

Siemensstern

Als Testmuster für Objektive der Siemens-Schmalfilmkameras von der Siemens & Halske AG entwickelt, ist der Siemensstern ein Kreis mit abwechselnd weißen und schwarzen Sektoren. Ob mit freien Auge oder durch ein bildverarbeitendes Gerät, in der Mitte entsteht ein unscharfer Fleck – der Grauring. Über dessen Größe ermittelt man das Auflösungsvermögen eines optischen Ausgabegerätes oder den Fokus eines optischen Eingabegerätes. Mit wachsender Entfernung vom Mittelpunkt wächst der Abstand zwischen den weißen und schwarzen Balken. Ist der Abstand zu gering, gibt das Wiedergabegerät nur eine graue Fläche wieder.

Schärfe gilt als das Gütesiegel für gelungene Aufnahmen. Doch zu viel durchgehend Schärfe, wie bei Kompaktkameras mit kleinen Sensoren und Smartphones, wirkt schnell langweilig. Der bewusste Einsatz von Schärfe und Unschärfe ist eine machtvolle sowie gleichermaßen subtile Gestaltungsmöglichkeit. Man legt die Schärfe auf das Wesentliche im Bild, weil der menschliche Blick immer der Schärfe folgt. Man kann natürlich auch abstrakte Fotografien schaffen, bei denen das Motiv, trotz Unschärfe, erkennbar bleibt.

Bewegungsunschärfe von Objekten im Bild kann man durch eine schnelle Kamerabewegung erzeugen, etwa durch Reißschwenks. Je länger die Belichtungszeit ist, desto stärker ist die Bewegungsunschärfe des Objekts. Ein Objekt scharf und die Umgebung unscharf gestalten, wie etwa bei Sportaufnahmen, ist ein weiteres Gestaltungsmittel, dass vor allem durch viel Übung gut gelingt. Man schwenkt oder fährt mit dem bewegten Objekt mit. Dadurch wird das Objekt scharf, gleichzeitig weist der Hintergrund Bewegungsunschärfe auf.

Schwenk

Der Schwenk vermittelt einen Überblick über das Geschehen, leitet den Blick des Zuschauers oder verbindet zwei Einstellungen. Man unterscheidet zwischen motivierten und unmotivierten Schwenks. Der motivierte Schwenk wird durch das Auftauchen einer Person oder eines Objekts im Bild ausgelöst. Wir begleiten die Person oder das (bewegte) Objekt durch das Bild. Der unmotivierte Schwenk hat keinen augenscheinlichen Auslöser, jedoch fangen wir mit dem Schwenk die Bewegung einer Person auf, die soeben ins Bild kommt.
Langsame Schwenks die einer Person folgen, erzeugen eine ruhige Stimmung und verlangsamen den Schnittrhythmus. Schnelle Schwenks springen in eine neue Einstellung und wirken.

 

Die extremste Form des schnellen Schwenks ist der Reißschwenk. Dabei wird das Bild während des Schwenks selbst durch die schnelle Bewegung unscharf und wirkt wie eine Wischblende. Die maximale Schwenkgeschwindigkeit, bei der das Bild noch nicht unscharf wird, hängt von der Brennweite ab. Bei einer weitwinkeligen Brennweite ist eine höhere Geschwindigkeit möglich.

Schwenkt man vom Stativ, lohnt es sich, darauf zu achten, dass der Widerstand bei der horizontalen sowie vertikalen Achse gleich eingestellt ist.  Auch sollte die Kamera möglichst ausbalanciert auf dem Stativ stehen.

Faustregel: Je größer (teliger) die Brennweite, desto langsamer der Schwenk. 

Fahrt

Bei Kamerafahrten werden die Kameras beispielsweise mit einem Dolly gefahren oder mit einer Steadycam getragen. Aus der Hand gelingen Kamerafahrten nur schwer, da sie einfach viel zu sehr verwackeln. Wie beim Schwenk muss man auch bei den Kamerafahrten zwischen verschiedenen Arten unterscheiden:
Die begleitende Fahrt: Neben- und Hinterherfahrten. Die Kamera fährt mit konstantem Abstand und konstanter Geschwindigkeit neben z.B. einer laufenden Person her.
Die leitende Fahrt: Die Kamera verfolgt nicht eine Person, sondern leitet den Blick des Zuschauers.

Zu-/Rückfahrten: Eine Annährung bzw. ein Rückzug vom Geschehen. Die Fahrt auf ein Objekt zu hat eine ganz andere perspektivische Wirkung als ein Zoom.
Die Umfahrung (die um ein Objekt fahrende Kamera): erzeugt eine dramatische Wirkung, insbesondere wenn Gegenstände im Vordergrund sind, hinter denen sich die Kamera zu verstecken scheint. Ein Beispiel: Hinter einem hohen Zaun unterhalten sich zwei Personen. Die Kamera fährt am Zaun entlang, behält jedoch die Personen im Blickfeld. Dies entspricht unseren Sehgewohnheiten, da wir in der Lage sind, einen Punkt zu fixieren, während wir weitergehen.

Kran

Eine Kranfahrt eröffnet uns eine genauere Vorstellung von einem Ort. Sie ergänzt die Fahrt um eine neue Richtung: nach oben oder nach unten. Kranfahrten werden meist am Anfang oder am Ende einer Szene oder des Films eingesetzt, da sie den Zuschauer in eine Szene und Handlung hineinführen oder ihn aus der Szene oder dem Film hinausbegleiten.

Handkamera

Eine Kamera mit der Hand ruhig zu halten ist sehr schwer, umso schwerer, je leichter sie ist. Allerdings ist auch das vor allem Übungssache. Man sollte sich abstützen, anlehnen und auf jeden Fall möglichst stabil stehen – mit leicht gebeugten Knie sowie leicht gespreizten Beinen.

Um die Kamera von der Schulter ruhig zu halten, legt man den rechten Ellenbogen am Brustkorb an und fasst mit der linken Hand unter den Ellenbogen. Es lohnt, im Vorfeld zu überlegen, was aufgenommen werden soll. Auch sollte man während der Aufnahme nicht spürbar atmen. Es empfiehlt sich, möglichst weitwinklig zu drehen, denn je teiliger die Brennweite, desto stärker sind jegliche Vibrationen im Bild sichtbar.

Stilistische Wirkung von Handkamera

Die Handkamera hat ihren Ursprung in der Reportage, bei der der Kameramann aus Gründen der Beweglichkeit oft von der Schulter drehen. Es werden Tatsachen gefilmt, die jetzt und live passieren – Wettkämpfe, Gefechte in Krisengebieten. Wenn man beim Spielfilm diesen Stil anwendet, lässt der aus Reportagen vertraute unruhige Kamerastil das Geschehen realistischer erscheinen. Der Nachteil ist, dass sich der Zuschauer nicht ganz auf den Filminhalt einlässt. Der Grund hierfür liefert uns die Evolution. Der Mensch wendet sich instinktiv Bewegungen und damit möglichen Gefahrenquellen zu. Da sich der Zuschauer bei einer unruhigen Kameraführung immer wieder neu im Raum neu orientieren muss, kann er sich weniger auf den Filminhalt konzentrieren.

Steadycam

Die Steadycam wurde entwickelt, um Kamerabewegung in schwierigen Umgebungen wie unebenes Gelände oder Treppenhäuser, zu realisieren. Mittels Steadycam kann man einen Schauspieler flexibler und über längere Zeit verfolgen. Die Bedienung ist kompliziert und erfordert Ausbildung sowie Erfahrung. Für die kleineren Kameras gibt es z.B. die Steadycam Junior, Gimbals oder Steady Sticks, mit denen Akzeptables erzielt werden kann.

Filmbild und Kader

Ein Filmbild hat zu allen vier Seiten Grenzen. Das einzelne Bild und seinen Ausschnitt nennt man Kader. Wahrnehmungsforscher, Psychologen, Werbestrategen und Künstler erforschen, wie sich das Auge orientiert. Worauf fällt der Blick zuerst, wo und wann verlässt er das Bild wieder? Was empfinden Menschen als harmonisch, was als unausgewogen?

Kadrage oder Kadrierung

Die Kadrage oder die Kadrierung bezeichnet die Wahl des Bildausschnitts und der Anordnung der bildrelevanten Elemente. Die hohe Kunst besteht darin, den richtigen Bildausschnitt zu finden.

Was sehen wir zuerst?

Unsere Augen suchen zuallererst nach menschlichen Konturen im Bild. Danach richtet sich unser Augenmerk auf die hellen Flächen im Bildausschnitt. Auch Linien im Bild, wie etwa Treppen oder Falten in der Kleidung, führen den Blick.

Wozu das Ganze?

Häufig ist es für den Zuschauer langweilig, bildwichtige Elemente, wie etwa die Darsteller, an dem erwarteten Punkt vorzufinden. Interessanter ist, Spannungsfelder aufzubauen und gegen die Seherwartung zu kontrastieren. Werden bildwichtige Personen oder Objekte außerhalb der Mitte positioniert, ohne jedoch die Bildbalance zu verlieren, erhält das Bild mehr Spannung. Die Ausgewogenheit der einzelnen Bildelemente, abhängig von ihrer jeweiligen Größe, Form und Farbe, aber auch der psychologischen Wichtigkeit, spielt hier eine große Rolle. Das bildwichtigste Element sollte im Gleichgewicht mit den übrigen auffälligen Elementen im Bild sein. Schließlich wollen wir für den Zuschauer klar und unmissverständlich transportieren, was das wichtigste Element im Bild ist. Schlechte Bildkomposition kann es dem Zuschauer unnötig erschweren, das bildwichtige Element wahrzunehmen, sie kann für Verwirrung oder Langeweile sorgen.

Der „goldene Schnitt“

Kameraleute erspüren die richtige und angemessene Kadrage meist intuitiv. Meist wird hierfür der sogenannte goldene Schnitt gewählt: die Blickrichtung erzeugt eine Linie, die sogenannte Augenlinie.

Wird eine Person oder ein Objekt gezeigt, sollte sie oder es im rechten oder linken Bilddrittel positioniert werden. Bei Landschaftsaufnahmen sollte man ein Drittel Himmel und zwei Drittel Boden, Häuser etc., oder umgekehrt kadrieren, jedoch nicht halb/halb.

Bewegungsrichtung

Auch die Bewegungsrichtungen von Personen im Bild haben ihre Wirkung. Geht eine Person von links nach rechts durch das Bild, signalisiert dies Aufbruch und Zukunft. Bewegt sie sich von rechts nach links, assoziieren wir dies mit Zurückkommen und der Vergangenheit. Ähnliches gilt auch für die Blickrichtung einer Person.

Lichtsetzung

Man arbeitet mit hellen und dunklen Bildanteilen, und akzentuiert damit subliminal die wichtigen Personen oder Objekte im Bild. Das Auge sucht automatisch zuerst den hellen Bildanteil.  Die am hellsten geleuchtete Person im Bild ist die wichtigste. Man denke hierbei nur an die Darstellungen göttlicher Wesen in den Werken der alten Meister. Maria, die Mutter Gottes, und Jesus waren stets die hellsten Personen im Bild.

Linienführung

Vertikale Linien im Bild strahlen öfter was Aufstrebendes aus. Horizontale Linien hingegen kommunizieren Ruhe und Gesetztheit. Eine Linie, die von links oben nach rechts unten verläuft, suggeriert Abstieg. Eine Linie, die von links unten nach rechts oben verläuft, hingegen Aufstieg.

Vorder-, Mittel- und Hintergrund

Wenn wir bei der Bildgestaltung diese drei Ebenen eines jeden Bildes berücksichtigen, kann dies bei der Erstellung einer ausgewogenen Komposition helfen. Dies ist insbesondere hilfreich bei Einstellungsgrößen, die über viel Raum verfügen bzw. in denen Raum eine wichtige Rolle spielt, wie etwa bei Totalen und Halbtotalen.

Im Bildvordergrund positioniert man meist etwas, dass die gezeigte Handlung eingrenzt und ihr sprichwörtlich einen Rahmen verleiht, wie etwa ein Türrahmen, eine Wand, eine Pflanze oder ähnliches.

Die wichtige Handlung oder die Aktion findet meist im Bildmittelgrund statt.

Durch den Bildhintergrund wird das Bild ausgefüllt, abgegrenzt und ihm Tiefe verliehen.

Formate

Für die unterschiedlichen Formate sind verschiedene Kadrierungen (der Bildausschnitt) notwendig:für 16:9 die eine, für 4:3 eine andere. Dadurch entstehen Herausforderungen für die Bildkomposition, wenn man mit einem Bild gleich mehrere Formate bedienen muss.

Bildformat, Bildverhältnis, Seitenverhältnis – 16:9, 4:3, 3:2 oder 1:1

Das Seitenverhältnis oder Bildformat, ist das Verhältnis zwischen der Breite und der Höhe eines Bildes. Dabei wird es häufig in der Schreibweise Breite : Höhe angegeben.

Bei vielen Kompaktkameras kann man aussuchen, ob die Bilder ein Seitenverhältnis von 1:1, 3:2, 4:3, 16:9 oder Cinemascope haben sollen.

Doch wozu das Ganze? Der Dreh- und Angelpunkt sind die Bildbereiche, die man abgebildet haben möchte.

1:1 (Instagram)

Instagram setzte lange Zeit nur auf das Format 1:1. Bilder sind hier quadratisch und somit genauso hoch wie breit. Es ist das fast perfekte Format für ein Smartphone, wenn man dieses hochkant hält, was man ja meistens auch tut. Dann passt ein Bild mitsamt Überschrift und Begleittext unten genau auf einen Bildschirm. Breitere Bilder würden derweil gestaucht wirken und den Nutzer dazu zwingen, das Gerät zu drehen. Mittlerweile lässt Instagram aber auch breitere Bilder zu.

3:2 (Kleinbild-Format)

Die meisten Fotokameras verwenden das „Kleinbild“-Verhältnis 3:2, und auch Microsoft zog für seine Surface-Reihe mit diesem für Laptops ungewöhnlichen Format nach. In der Fotografie stellt sich vielmehr die Frage: Quer- oder Hochformat.

Man kann ein Bild so aufnehmen, dass es für beide Formate passt. Allerdings sollte man darauf achten, den Bildausschnitt so zu wählen, dass man alle bildrelevanten Informationen beibehält, egal für welches Format man sich im Nahhinein entscheidet. Im Falle eines Portraits, kann man beide Formate gut verwenden. In allen anderen Fällen, sollte man die Entscheidung Quer- oder Hochformat, sorgfältig abwägen und im Vorfeld verbindlich treffen.

4:3 (Fernsehen)

4:3 ist ein Bildformat, bei dem Bildbreite und -höhe im Verhältnis 1,33 : 1 stehen. Es ist das traditionelle Größenverhältnis der Bilder im Fernsehsignal der Normen PAL und NTSC. Bis 2007 war es in Deutschland das am häufigsten genutzte Fernsehformat, bevor sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten dazu entschieden haben, vorwiegend in 16:9 auszustrahlen.

16:9 (Fernsehen)

16:9 ist ein Bildformat, bei dem die Breite 16 Einheiten und die Höhe 9 Einheiten sind. Das Format besitzt ein Verhältnis von 1,78 : 1, d.h. das Display ist 1,78-fach so breit wie hoch. Sowohl 1080p, 1080i als auch 720p entsprechen mit quadratischen Pixeln diesem Standard. Das Bildformat 16:9 ist der weltweit gültige Standard für HDTV.

Cinemascope (Kino)

Der Begriff basiert auf der gleichnamigen Twentieth Century Fox-Marke für das anamorphotische Verfahren der Breitbildaufzeichnung, die dafür nötigen Kamera- und Projektionsoptiken und die damit hergestellten Kinofilme. Durch die große Verbreitung der Marke ab den 1950er Jahren ist CinemaScope zum Synonym für die anamorphotischen Verfahren geworden ? im Fachjargon „CS“ oder „Scope“ genannt. Mit CinemaScope war es erstmals möglich, mit geringem technischen Aufwand bei guter Qualität auf Basis von üblichem 35-mm-Film Breitbild im Seitenverhältnis von zunächst 2,55:1, später 2,35:1 und 2,39:1 zu projizieren (entspricht ungefähr dem Videoformat 21:9).

Was ist ein Drehbuch?

Definitionsgemäß ist das Drehbuch die Textgrundlage für einen Film. Es umfasst alles, was man im fertigen Film sieht und alles, was man hört. Die Handlung, die Figuren, das Thema – kurzum, die Geschichte, die man erzählen möchte. In diesem Eintrag widmen wir uns der Spielfilmdramaturgie. Die Unterschiede zur Seriendramaturgie würden einen eigenen Blogeintrag füllen.

Jedes Drehbuch stütz auf den drei Cs:

  • Character, die Hauptfigur. In den meisten Filmen erleben wir die Welt aus der Sicht der Hauptfigur und durchleben die Geschichte gemeinsam mit ihr. Sie treibt die Geschichte voran, hat ein klares Ziel sowie ein Bedürfnis. Dieses liegt oftmals im Verborgenen und ist allen anderen früher klar als dem Helden selbst.
  • Conflict, das Problem das gelöst werden muss. Was will die Hauptfigur? Was steht ihr im Weg? Welche Kräfte hindern sie, ihr Ziel zu erreichen? Welche Bedürfnisse und Wünsche hat sie? Stehen sie im Widerspruch zum eigentlichen Ziel? Das wäre gut und wünschenswert, da der Held sich dann sowohl in einem äußeren als auch einem inneren Spannungsfeld bewähren muss. Der Antagonist steht für das Hindernis, das sich dem Protagonisten in den Weg stellt. Die besten Geschichten sind die, in denen der Antagonist mindestens genauso stark ist, wie der Protagonist. Auch gut, wenn die beiden einander unliebsame Charakterzüge spiegeln.
  • Concept, die Welt in der der Film spielt. Ist es Dein Alltag, oder eine Welt, die Dir vertraut ist? In welcher Epoche spielt der Film? Ist es eine reale oder fiktive Welt? Oder ist es ein sogenanntes Story-Universum, deren Regeln dem Zuschauer im Laufe des Films erst erklärt werden müssen? Da es sehr arbeitsintensiv ist, eine in sich schlüssige neue Welt aufzubauen, eignen sie sich eher für Serien, Mehrteiler oder Games.

Drehbücher werden in der Gegenwartsform geschrieben. Die Länge eines Drehbuches wird von der Länge des Films bestimmt, den man vor Augen hat. Als Faustregel gilt: eine Seite Drehbuch für eine Minute Film. Das Drehbuch für einen 90-Minuten Spielfilm wird an die 90 Seiten lang sein, das Drehbuch für einen Kurzfilm entsprechend kürzer.

Wichtig ist, dass die Geschichte, die ich erzählen will, in aufeinander aufbauenden Szenen ausgeschrieben wird. Alle Dialoge sind da, und zwar in genau festgelegter Reihenfolge. Es werden Angaben zum Spielort (Innen/Außen) und Spielzeit (Tag/Nacht) für jede Szene gemacht. Informationen für die Requisite, Ausstattung, Licht–sowie Wetterstimmung werden gesetzt. Auch Tiere und Pflanzen sowie Geräusche und Spezialeffekte werden hineingeschrieben, sofern sie für das Vorantreiben der Handlung wichtig sind.

So weit, so gut. Doch wie soll man all das liefern, wenn man nur ein zartes Ideenpflänzchen in der Hand hat? Indem man mutig ist, denn

„Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.“
Konfuzius

Das Leben lehrt uns, dass sich auf unserem Weg viele Maulwurfshügel manifestieren, die es zu umgehen gilt. Die Gewissheit, dass sie kommen werden und der geübte Umgang mit ihnen, macht es einfacher, vorbereitet zu sein. Beim Schreiben verhält es sich nicht anders.

Um die ersten Maulwurfshügel in unserer Stoffentwicklung frühzeitig zu bemerken, hilft es, grob einer Struktur zu folgen.

Was ist eine Struktur?

Sie ist ein unsichtbares Gerüst, auf dem unsere Geschichte fußt. Ein Fundament, dass gleichzeitig stabil und flexibel sein muss. Struktur ist gleichermaßen Reizwort und Rettungsboot. Die einen fühlen sich eingesperrt, hineingezwängt, fühlen sich an Malen-nach-Zahlen erinnert. Andere wiederum schätzen die Ankunft des herbeieilenden Rettungsbootes, während man auf einem Holzbrett auf stürmischer See herumtreibt. Die klassische Form, die Drei-Akt-Struktur, wie bereits von Aristoteles festgehalten, beinhaltet:

Der Anfang / Exposition / Erster Akt (Seite bzw. Filmminute 1 – 15)

Wir lernen die Hauptfigur und ihre Welt sowie weitere Figuren kennen. Es ist die normale Welt, der Alltag der Figuren, ihr Status quo. Hier erfahren wir, was das grundlegende Thema des Films ist.

Der Anfang ist auch immer ein Versprechen an den Zuschauer. In den ersten fünf Minuten (bzw. den ersten fünf Seiten unseres Drehbuches) sollte der Zuschauer erfahren, was für eine Art Geschichte er nun zum Sehen bekommt. Wer ist die Hauptfigur und worum geht’s? Das sollte man klar setzen. Vor allem, es dem Zuschauer hier versprechen und im Laufe des Films auch einlösen. Meist verzeihen die Zuschauer die Enttäuschung nicht, die sie erleben, wenn am Ende nicht das eintritt, was man am Anfang eingeläutet hat. Nur Unentschiedenheit ist schlimmer.

Der Anfang mündet in einem Bruch, in der ersten Krise. Das „Problem“ der Hauptfigur wird erkennbar. Es ist der Point-of-No-Return, der Moment, an dem der Held nicht mehr zurückkann und gezwungen ist, den Status quo endgültig zu verlassen und zu handeln.

Die Mitte / Konfrontation / Zweiter Akt (Seite bzw. Filmminute 15 – 75)

Die Hauptfigur versucht, das „Problem“ zu lösen. Es ist die Entwicklung der Geschichte. Schafft unser Protagonist, die inneren und äußeren Hindernisse zu überwinden? Gewinnt er am Ende? Rettet er die Erde, kriegt das Mädchen, kommt an seinem Ziel an?

In der Mitte des zweiten Aktes und somit in der Mitte des Films, ist der Midpoint. Ein großer Wendepunkt, ein vorläufiger Höhepunkt, an dem unser Held meist sein Ziel erreicht hat, aber sein wahres Bedürfnis in weite Ferne gerückt ist. Oder, die Schlacht mit dem Bösewicht ist geschlagen, doch ein bislang verborgener, noch größerer Bösewicht muss noch besiegt werden. Oder, der Jäger wird zum Gejagten. Der Midpoint ist traditionellerweise auf den Seiten bzw. bei Filmminuten 44-46 zu finden.

Der zweite Akt mündet in einem weiteren Höhepunkt, nach dem sich die Geschichte meist abermals dreht.

Das Ende / Auflösung / Dritter Akt (Seite bzw. Filmminute 75 – 90)

Die Lösung des Problems. Ein schlüssiges und befriedigendes Ende. Die Haupt- und alle Nebenerzählstränge wurden beantwortet. Auch wenn das Ende offen ist, muss dies ein Gefühl bei dem Publikum erzeugen. Ganz gleich, ob dies ein beflügelndes, lähmendes oder sorgenvolles Gefühl ist. Wenn es Dir egal ist, wie Deine Geschichte endet, wie egal ist es erst dem Leser und dem Zuseher?

Von der Länge her, zählt der erste Akt also meist 1/4 des Filmes, bei einem Spielfilm also 15 Seiten, der zweite Akt 1/2 oder 60 Seiten und der dritte Akt wiederum 1/4 der Zeit oder 15 Seiten.

Der nächste Maulwurfshügel für uns Autoren bilden

Die Figuren

Es gibt so viele Menschen da draußen, über die es sich lohnen würde, einen Film zu machen. Um die vielen Eindrücke und Ideen zu bündeln und so die nötige Schlagkraft zu erzeugen, kann man sich mit einer Figurenbiografie behelfen. Diese fängt mit der fiktiven Geburt der fiktiven Figur an und endet an dem Tag, an dem der Film losgeht. Es ist die Vorgeschichte unserer Figur. Ein Film handelt meistens von einem kleinen Ausschnitt, einer kurzen Zeitspanne (meistens ein paar Tage oder Wochen) ihres Lebens. Oder man beantwortet einige Fragen, um ein Gefühl für die Hauptfigur zu bekommen, wie zum Beispiel:

  • Wie sieht die Figur aus? Alter, Geschlecht, Statur, Typ, allgemeines Erscheinungsbild. Hat die Figur einen körperlichen Makel, eine Narbe, eine körperliche oder geistige Versehrtheit? Wenn ja, wie geht sie damit um?
  • Was ist ihr Background? Hat sie eine Familie? Wenn ja, wie sieht die aus? Eltern, Geschwister, Großeltern, Enkel? Lebt sie alleine? Wenn ja, warum? Ist sie verheiratet? Wenn ja, warum und mit wem? Ist es eine glückliche Verbindung? Hat die Figur eine eigene Familie gegründet, hat sie Kinder? Aus welcher sozialen Schicht kommt sie? Welche ethnische und religiöse Zugehörigkeit hat die Figur? Welche sexuelle Orientierung hat sie? Ist sie in der Nachbarschaft integriert?
  • Beruf und Ausbildung? Bildungsgrad? Besondere Fähigkeiten und (auch schlummernde) Talente? Hobbys?
  • Was sind ihre größten Träume, tiefsten Ängste, hässlichsten Albträume, verborgene Fantasien?
  • Ist sie oft einsam? Hat sie Feinde? Viele Freunde oder eher Eigenbrötler? Pflegt sie Bekanntschaften? Hat sie Affären?
  • Da man hier leicht ein überbordendes Dossier zustande bringt, lohnt es sich, nur diejenigen Aspekte der Figur zu beleuchten, die auch für die Geschichte relevant sind.

Unser dritter, großer Maulwurfhügel ist das Thema.

Was ist das Thema?

Es ist das, was ich erzählen möchte. Meine Sichtweise, mein persönlicher Blick auf die Welt. Ein Zustand oder eine Situation die mich aufregt. Ein Setting, dass mich interessiert. Ein Missstand, der so ungeheuerlich ist, dass ich darüber einfach schreiben muss. Um das Thema meiner Geschichte herauszufinden, gilt es, sich permanent zu fragen:

Was will ich eigentlich erzählen?

Oft verbirgt sich hinter einer Geschichte ein sehr persönliches und oft auch unbewusstes Gefühl, das der Autor zum Ausdruck bringen will. Dieses Gefühl treibt die Geschichte voran. Es ist in jeder Szene unterschwellig präsent und verleiht Kraft und Ausdruck. Es hält die Geschichte zusammen. Deswegen lohnt es sich, sich immerfort zu fragen, was man eigentlich erzählen möchte. Wenn sich die Antwort darauf im Laufe der Zeit ändert, ist das nicht schlimm, sondern ein Zeichen, dass man sich ehrlich mit dem Thema auseinandersetzt.

Stufen der Stoffentwicklung

Meistens schreibt man die Idee in Form eines Ideenpapiers oder sogenannten Pitchpapers auf. Mit diesem tritt man vor Produzenten und andere interessante Mitstreiter, wie etwa Regisseure oder Schauspieler, und versucht sie, für seine Idee zu begeistern. Das Ideenpapier ist meistens 1 bis 3 Seiten lang.

Ein Exposé ist die nächste und, hoffentlich bezahlte, Entwicklungsstufe. Das ist ein Verkaufspapier, mit dem man an Finanziers (Sender, Filmförderungen, kapitalstarke Filmproduktionen) tritt. Ein Exposé ist 5 bis 10 Seiten lang und liest sich wie ein Verkaufspapier. Es beinhaltet das Thema, die Haupthandlung und alle wichtigen Figuren. Die großen Wendepunkte sind klar gezeichnet, ebenso die Atmosphäre. Das Exposé soll Lust auf mehr machen. Es ist ein Versprechen über den Film, der noch zu entstehen hat.

Die nächste Stufe ist das Treatment, dass 15 bis 40 Seiten lang ist. Es beinhaltet alle Szenen, jedoch noch ohne Dialoge. Der Haupt- und alle Nebenstränge sind dargestellt, alle Figuren, alle Wendepunkte sowie deren Vor- und Nachbereitungen.

Abschließend, nun ein paar Anregungen und Übungsansätze. Vergiss den inneren Zensor und wirf den eigenen Perfektionismus über Bord. All das blockiert Dich nur auf dem Weg, sich durchs Schreiben zu befreien, sich zu verwirklichen oder einfach eine gute Zeit zu haben.

Inspirations-Training:

Filme analysieren: schau Dir Deine Lieblingsfilme an und versuche herauszufinden, wann die Wendepunkte stattfinden. Am geeignetsten sind Hollywoodfilme, da sie meist der klassischen Drei-At-Struktur folgen. Gute Beispiele sind, zugegebenermaßen, etwas ältere Filme wie: „Toy Story“, „Die Hard“, „Das Apartment“, „Sein oder nicht Sein“, „China Town“ oder „Taxi Driver“. Die Liste ist endlos.

Die Drei-Satz-Übung: nimm ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand und schreibe die folgenden drei Sätze auf. Der erste Satz enthält die Hauptfigur und sagt etwas über ihre Welt aus. Beginne diesen Satz mit:

Jeden Tag…

Der zweite Satz birgt ein Ziel, ein Hindernis oder ein Problem für die Hauptfigur. Beginne ihn mit:

Eines Tages…

Der dritte Satz bringt die Lösung und zeigt auf, wie sich die Hauptfigur verändert hat. Fange den Satz an mit:

Seitdem…

Beispiel: Jeden Tag fährt der einsame Landwirt und Tropenfan Martin auf seine kargen Felder, um sie zu bestellen. Eines Tages findet er dort einen Koffer voller Geld und ein angeschossenes, schönes Mädchen, dass unter Amnesie leidet. Seitdem hat Martin sich, das Mädchen und das Geld gegen die Mafia, die Polizei und den kriminellen Ex des Mädchens verteidigt und lebt nun, glücklich und zufrieden, mit dem schönen Mädchen in einem tropischen Paradies.

Diese Übung vermittelt ein Gefühl für Geschichten. Ein Gefühl, dass Geschichten einen Protagonisten brauchen und ein Ziel sowie einen Konflikt. Daraus ergeben sich fast automatisch Anfang, Mitte und Ende einer Geschichte.

Übung zu den drei Cs:

  • Context: Lege eine Welt fest, die Du gerne hast. Es ist hilfreich, wenn Du eine aussuchst, die Du gut kennst. Wo und wann spielt der Film? In welchem Milieu? Welches Genre? Gibt es ein Setting aus dem echten Leben, dass Du gerne hast, Dich fasziniert und Du freiwillig Zeit mit der Recherche verbringen willst? Es kann alles sein – ein romantischer Blumenladen, ein riesiges Stahlwerk, eine Raumfahrtstation. Spielt das Ganze in der Gegenwart, in einer bestimmten, vergangenen Epoche oder in der nahen oder gar fernen Zukunft? Oder ist es eine Welt, die es so noch nie gab? Lass Deiner Fantasie freien Lauf und denk erst mal nicht, wie teuer oder aufwendig das Ganze werden wird.
  • Conflict: Überlege Dir, welche Konflikte es in dieser Welt geben kann. Was ist der Hauptkonflikt? Dieser bestimmt das Genre mit, denn es macht einen Unterschied, ob es um die Aufklärung eines Verbrechens, die Rettung der Menschheit oder eine neue Liebe geht. Du entscheidest und ziehst es die konsequent durch.
  • Character: Überlege Dir, welche Figuren am besten diesen Konflikt austragen können. Je vielschichtiger und authentischer, desto interessanter wird Dein Drehbuch für den Leser und der fertige Film für den Zuschauer.

 

Was ist eine Idee?

Der flüchtige Kuss einer viel beschäftigten Muse? Das aufdringliche Hirngespinst, das einem den Schlaf raubt? Dieses beklemmende Gefühl, das man hinausschreien muss, weil man es sonst nicht mehr aushält?

Aus diesen hochtrabenden Gemütszuständen kann ein toller Film entstehen. Wenn man allerdings nicht zu den Menschen gehört, die pausenlos von einem exaltierten Zustand zum nächsten schweben, lohnt es sich, die Sache selbst und bewusst in die Hand zu nehmen. Kurzum, nicht auf die Muse zu warten. Denn,

„Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit vorfinden.“
Pablo Picasso

Aber: Wie macht man das? Wie geht man mit dieser immensen Freiheit um, mit dieser Furcht einflößenden Leere? In unserem Fall, dem leeren Blatt Papier, dem unerbittlich blinkenden Cursor? Man könnte ja schließlich scheitern. Man könnte gezwungen sein, sich seine eigene Unzulänglichkeit einzugestehen. Man könnte, man könnte. Nicht enden wollende Gedankenschleifen. Je weniger Beachtung man ihnen schenkt, desto schneller verstummen sie auch wieder. Gewiss kommen sie auch wieder. Aber in den kostbaren Pausen könnte man schreiben. Und da bleibt die Frage nach dem: Wie?

Das Beste ist, die Augen aufzumachen und offen durchs Leben zu gehen. Meist bahnt sich die Idee ihren Weg zu unserem Stift oder Tastatur auf eher prosaische Art.

Ideen können entstehen, indem man:

  • jemanden oder sich selbst begegnet,
  • einen Zeitungsartikel oder ein Buch liest,
  • eine Geschichte oder ein Geheimnis erzählt bekommt,
  • ein Foto oder ein Gemälde betrachtet,
  • träumt oder meditiert,
  • sich von Gerüchen oder Geschmäckern betören lässt,
  • einen Song oder ungewöhnliche Geräusche hört,
  • sich mit einem Tier oder einer Pflanze beschäftigt,
  • eine Lichtstimmung oder eine Wetterlage bewusst wahrnimmt,
  • seine Umgebung erkundet,
  • sich an einen realen oder surrealen Ort der Sehnsucht katapultiert.

Die Liste ist endlos.

Die Beobachtung des Alltags ist so wichtig, weil eine reiche Ausbeute an Eindrücken den Texten Energie und Authentizität verleihen. Die Leser und das Publikum wollen schließlich ihre Sorgen vergessen und in eine neue Welt entführt werden. Egal wie fantasievoll diese ist, sie muss in sich schlüssig und glaubhaft sein. Die Figuren sollen fesselnd, vibrierend und originell sein. Aber eben auch nachvollziehbar. Dies gelingt, indem man Figuren Attribute und Gewohnheiten zugesteht, die sie menschlich, einzigartig und wiedererkennbar machen. Und wo findet man bessere Inspiration über die menschliche Vielfalt, als in der eigenen Umgebung? Angeblich gibt es über 180 Arten, schmutziges Geschirr abzuwaschen. Welche ist Deine? Welche die Deiner Hauptfigur?

Und so kann, aus dem Strom der Eindrücke, eine Tendenz entstehen. Ein zunächst diffuses Gefühl, das wiederkehrt, das aufregt und anregt. Je mehr man darüber nachdenkt, desto klarer erscheint das, was man eigentlich erzählen möchte.

Von diesem Gefühl getrieben, beginnt man zu schreiben. Fragmente und Eindrücke verdichten sich zu Sätzen. Diese führen, mal kürzer, mal ausführlicher, zur Beschreibung der Atmosphäre des zukünftigen Films. Daraus ergibt sich oft der Schauplatz, das sogenannte Setting. Aus der Atmosphäre und dem Setting entspringen Figuren. Die man gerne sehen möchte, oder auch die, die man nicht ausstehen kann. Aber die man alle gleichermaßen liebt. Es sind Figuren, die darauf brennen, ihren Platz in der Geschichte einzunehmen. Ihre Wahrheit loszuwerden. Und plötzlich steht sie glasklar vor einem: die Filmidee.

Was ist eine Filmidee?

Welche Idee taugt, um das Publikum zu fesseln und 5, 15, 45, 90 Minuten oder länger in Atem zu halten? Generell ist dies jene, die einzigartig ist. Doch was macht eine Idee einzigartig?

Meist sind es Elemente, die auf besondere Art in einen Film eingebaut sind. Wie wäre es mit dem Tod der Hauptfigur in der Mitte des Films? Oder mit einem Alien, das zum Haustier wird?

Oder es ist die besondere Erzählperspektive. Ein Krimi, der aus der Sicht des Mörders erzählt wird? Ein Liebesfilm, der alle Begebenheiten konsequent aus den Sichtweisen beider Liebender beleuchtet?

All das gibt es schon. Die Frage ist immer: Welche Mittel eignen sich für meine Idee, für das was ich erzählen will?

Und, dann die bohrende Frage: gibt es diesen Film, der mir vorschwebt, bereits? Im Meer der bestehenden Filme ist es oft schwer, sich einen Überblick zu verschaffen. Doch ermüdende Internetrecherchen über bereits existierende Filme blockieren den Fluss. Stattdessen lohnt es sich, dem Instinkt zu folgen und mit dem Schreiben anzufangen. Auf die persönliche Art, eine Geschichte zu erzählen, kommt es an. Es ist die unverwechselbare Stimme des Autors. Der einzigartige Ausdruck. Die wiedererkennbare Handschrift. Der besondere Blick auf die Welt. Und das findet man in sich selber und niemals im Außen. Kopien von Kopien gibt es genug. Und, kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Man muss anfangen. Man schickt den inneren Zensor in die Pause, wirft Bedenken und Perfektionismus über Bord, und beginnt zu schreiben.

Folgende Fragen können helfen, die Idee zu konkretisieren:

  • Warum gerade diese Geschichte?
  • Was ist das, was Dich daran fasziniert?
  • Was ist das Thema und der Hauptgedanke hinter der Idee?
  • Welche persönlichen Bezüge gibt es zu eigenen Erfahrungen, Gedanken oder Wünschen?
  • Wer sind die Hauptfiguren? Wie stehen die zu sich selbst und zueinander?
  • Was sagt die Geschichte über die menschliche Natur aus?
  • Für wen ist dieser Film gemacht? Für welches Publikum?
  • Wie viel Budget und welchen Rahmen hast Du zur Verfügung?
  • Welches Genre ist der Film?
  • Ist Film das richtige Medium für diese Geschichte?

Nachdem man eine Idee gefunden hat, will diese entwickelt werden. Mit viel Schreiben und Umschreiben nimmt diese langsam Gestalt in Form eines Ideenpapiers an.
Das Ideenpapier für einen abendfüllenden Spielfilm sollte zwei bis drei A4-Seiten lang sein. Sie gibt einen Vorgeschmack über die Tonalität des Films, die Geschichte, die Protagonisten, das Setting. Kurzum, eine gute Idee liefert die Quintessenz des zukünftigen Films. Dann sind ein Expose und ein Treatment die nächsten Stufen auf dem Weg zum fertigen Drehbuch.

Mehr dazu bei unserem nächsten Eintrag. Dieser widmet sich dem Drehbuch an sich: Den Entwicklungsstufen, den Anforderungen, den Strukturmodellen.

Inspirations-Training:

  • Schreibe jeden Tag nach dem Aufstehen eine halbe Stunde lang. Ohne nachzudenken, ohne Thema und ohne Ziel. Nur Du und Dein Wecker, der nach 30 Minuten schrillt. Diese, zwischen Schlaf- und Wachzustand entstandenen Texte, bezeugen die Fülle des Unterbewusstseins und die Existenz der eigenen kreativen Quellen.
  • Schreibe jeden Tag Deine Erlebnisse und Beobachtungen auf. So schärfst Du Deine Sinne für Eindrücke. Auch die Kleinsten und scheinbar Unbedeutendsten zählen. So entsteht ein persönliches Archiv an Denkanstößen.

Probiere es aus. Ignoriere den Perfektionismus. Lass es raus. Egal wie sinnlos und bescheuert es sich liest. Du allein entscheidest, ob und wann Du die entstandenen Texte jemandem zum Lesen gibst.