THEMA: TON

THEMA: TON

Ein guter Film sollte auf der Tonebene mit ähnlicher Kunstfertigkeit wie auf der Bildebene gestaltet sein. Ein Film mit gutem Bild und dürftigen Ton verliert schnell an Wirkung. Der Ton unterstützt die Bildwirkung und den dramaturgischen Bogen der Geschichte. Er vermittelt Ort, Zeit und Sprache und verortet den Zuschauer in die Handlung. Der Ton kann handlungsrelevante Informationen beinhalten, die im Bild nicht gezeigt werden. Auch kann man Frequenzen, Rhythmen und dynamische Entwicklungen von Geräuschen einsetzen, um unbewusst Emotionen zu erzeugen. Des Weiteren beeinflussen die unterschiedlichen Genres mit ihren spezifischen Klängen die Tongestaltung.

Das breite Feld des Tons setzt sich grob aus folgenden Elementen zusammen:

Sprache

Hiermit ist die gesamte Bandbreite der menschlichen Stimme gemeint: vom Flüstern bis zum Schrei, vom Originalton, nachsynchronisierter Dialog, sonstiger Sprache (TV-Stimme, Flughafen-Durchsagen etc.) bis zur Erzählerstimme. Die Vielfalt der menschlichen Stimme kennt keine Grenzen. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass die meisten Filme mit Sprache überladen sind und das gesagte Wort meist nicht die Kraft von Bildern und Tönen erreicht.

Musik

Filmmusik ist Musik, die Filmbilder begleitet und einen unsichtbaren emotionalen Faden entlang der Geschichte spinnt. Weiter unten beschäftigen wir uns ausführlicher mit diesem Thema.

Atmos

Darunter versteht man akustische Beschreibungen von Lebewesen oder Objekten in der realen Welt: Windrauschen, Regen, Straßenlärm, Stimmengewirr etc. Sie werden auch Atmospheric Effects genannt und fußen auf gehörten Erfahrungen sowie Eindrücken die wir seit Geburt an über unsere Umwelt sammeln.

Audio Beispiel 1: Atmosphäre eines Stadtparks, sie besteht aus dem Hintergrundrauschen einer Stadt und Vogelzwitscher

Audio Beispiel 2: Vorbeifahrende Autos, Stadtlärm, Stimmen und ein Krankenwagen bilden miteinenander gemischt die authentische Atmosphäre einer belebten Straße in der Stadt nach

Geräusche

Grundsätzlich versteht man darunter die Fülle an aufgenommenen Location-Geräuschen, am Drehort aufgenommenen Nur-Tönen (Production Effects), sowie Geräuschen wie Türen, Telefon, Autos etc. (Sound Effects) und nachgemachte oder, durch Geräuschemacher erschaffene Töne, wie Schritte, Kleidung etc.

Oft kommt es vor, dass für ganz bestimmte Ereignisse, ganz gleich ob im Bild oder nicht, Geräusche oder Klanggebilde benötigt werden, die in der realen Hörwelt so nicht vorkommen, oder aus völlig anderen Zusammenhängen stammen. Da setzten die Geräuschmacher ein, die oftmals mit viel akustischer Phantasie alltäglichen Gegenständen besondere Sounds entlocken. Reiskörner auf ein Aluminiumblech rieseln lassen erzeugt das Geräusch von Regen. In ein Mikro hauchen hört sich wie eine Explosion an. An der Innenseite eines bauchigen Trinkglases reiben klingt wie das Quaken von Fröschen. Streift man mit zwei Schuhbürsten über ein Noppenkissen, ist es als würde man das Meer rauschen hören. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, das passende Geräusch zu finden und zu erschaffen.

Stille

Dies ist ein kostbares Gut. Sie wird selten und präzise eingesetzt. Sie kann die Zeit im Film betonen, verlängern und ausdehnen. Auch kann sie, wenn sie statt einem erwarteten akustischen Ereignis eingesetzt wird, wie etwa einem Schuss oder einem Knall, deren Wirkung noch übertreffen.

Ton versus Bild

Die Aufgabe des Tonmeisters ist, die visuelle Perspektive akustisch nachzubilden, oder die Grundlagen schaffen, diese in der Tonmischung nachzubauen. Die akustische Perspektive bezieht sich auf die Nähe zum Tonereignis. Wenn der Anteil vom direkten Ton höher ist als der Anteil seiner Reflektion, sprich, seines Echos, sind wir nah an der Tonquelle dran. Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, sind Aufnahmen in freier Natur, wo kaum Reflektionen vorkommen.

Da der Tonmeister die Aufnahmen am Set nur über seine Kopfhörer kontrolliert, ist es kaum möglich, die Aufnahmen auf alle Anforderungen der späteren Wiedergabe (Kino, TV, Web) zu prüfen. Daher ist die Lösung, die akustische Perspektive in der Mischung nachzubilden, oftmals die beste, da die Gestaltungsmöglichkeiten so größer sind. Daher nimmt der Tonmann die Stimmen möglichst sauber isoliert und mit hohen Nutzsignal auf. Die Geräusche und die Atmos werden meist auf separate Spuren gelegt.

Ton-Postproduktion

Nachdem der O-Ton am Set aufgenommen und unter die Video-Dateien angelegt wurde, wartet man auf den fertigen Bildschnitt, den sogenannten Picture Lock, um mit der Audio-Postproduktion anzufangen. Unter dieser versteht man die Gestaltung aller – bis auf die Musik – akustischer Elemente: Sprache, Geräusche, Atmos und Soundeffekte. Die Ton-Postproduktion gliedert sich in folgende Arbeitsschritte: Dialogschnitt/O-Ton-Schnitt, Synchronaufnahmen und –schnitt, Geräuschaufnahme und schnitt, Sound Design sowie die Mischung. Aus Platzgründen gehen wir hier nur auf Sound Design sowie Mischung näher ein.

Sound Design

Der Begriff Sound Design bezeichnet die Tongestaltung, bzw. die kreative Arbeit mit Klängen und Geräuschen. Das Ziel ist, mittels eingefangener Töne und Klänge (Sprache, Dialog, Atmos, Geräusche) einen gehaltvollen und glaubwürdigen Klangteppich für jede Szene im Film zu bauen.

Audio Beispiel 3: Sounddesign und Musikalische Elemente formen eine Gruselatmosphäre

Mischung

Jeder Film verfügt über mehrere Tonspuren, die am Ende der Postproduktion in der Tonmischung über ein Mischpult zusammengefügt werden. Die Töne mit denen man arbeitet, egal ob am Drehort erzeugt oder aus dem Archiv genommen, werden in einzelne Tonspuren organisiert: eine Tonspur für Dialog, eine für Atmo, eine für Geräusche usw. Die Töne aller Tonspuren werden gemeinsam wiedergegeben, gemäß einem Mischplan bearbeitet und das Mischergebnis wieder aufgezeichnet. Dabei werden die Audiopegel angepasst, Mischungsverhältnisse hergestellt, Klangveränderungen und –Korrekturen durchgeführt, Geräusche und Archivtöne hinzugefügt sowie gestalterische Effekte (wie etwa Hall) erzeugt.

Die Mischung findet in einem Studio statt, welches über ähnliche Abhörbedingungen verfügen sollte wie die Wiedergabe bei der Aufführung. Kinofilme sollten daher in größeren Studios gemischt werden, deren Grundriss, Reflektionsverhalten und Abhörlautsprecher denen eines Kinos vergleichbar sind. Fernsehproduktionen können auch in kleineren Studios mit Lautsprecher, die für geringen Abstand zum Tonmeister optimiert sind, abgemischt werden.

Audio Beispiel 4: Typische Foley-Geräusche sind Schritte. Mit einem Halleffekt versehen gewinnen sie an Realismus

Audio Beispiel 5: Eine kleine Szene aus verschiedenen Geräuschen zusammengebaut

Filmmusik

Sie bildet Gefühlszustände ab und intensiviert unsere Wahrnehmung. Sie kann mittels Rhythmus unsere Atmung und Herzschlag beeinflussen. Lautstärke und extreme Frequenzen regen unser vegetatives Nervensystem und unser Gemüt an. Sind die machtvollen Instrumente der Filmmusik gekonnt eingesetzt, freuen, trauern oder haben wir Angst – und das alles ohne realen Grund. Hierfür braucht es keine permanente Berieselung. Die Musik kann im Hintergrund rauschen oder punktuell als Stilmittel eingesetzt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man:

Realmusik

Auch On- oder Source Musik genannt: Die Musik ist Teil der filmischen Realität, hat eine Quelle (Source) in der Handlung (diegetische Musik) und die Protagonisten können sie hören.

Off-Musik

Auch Score-Musik genannt: eigens für den Film komponierte oder zusammengestellte Musik, die nicht Teil der Filmhandlung ist und nur vom Kinopublikum wahrgenommen wird (nicht-diegetische Musik). Sie wird meistens speziell für den Film komponiert. Manchmal wird sie auch aus bestehenden Werken arrangiert.

Das Ziel der Filmmusik ist, die Wirkung der Bilder und der Geschichte zu unterstützen. Somit ist sie ein wichtiger Bestandteil der allumfassenden Dramaturgie. Ein und dieselbe Szene oder Bild erlauben viele Möglichkeiten, sie zu beschreiben, zu bearbeiten und mit ihr umzugehen. Grob gesehen kann man zwischen verschiedenen Arten von Filmmusik unterscheiden:

  • Musik, die Stimmungen untermalt und Atmosphären schafft
  • Musik, die das Thema, das Genre, den historischen Kontext, gesellschaftliche Milieus und den Ort des Geschehens vermittelt
  • Musik, die das subjektive Zeitempfinden des Zuschauers beeinflusst
  • Musik, die auf Zusammenhänge in der Handlung hinweist.
  • Musik, die im Zuschauer Verwirrung, Spannung und Widersprüche erzeugt

Gewöhnlich sind Vorspann und Abspann musikalisch dominant unterlegt. Im Verlauf der Filmhandlung variiert die Musik, tritt stellenweise in den Hintergrund und nimmt rein instrumentale Formen an, um das Geschehen zu kommentieren. Bei Szenenwechseln, Ellipsen, Parallelmontagen oder Montagesequenzen fungiert die Musik als akustische Klammer, in dem sie die Übergänge und Szenenfolgen als zusammengehörig definiert. Auch können dadurch Handlungsstränge voneinander abgegrenzt werden.

Beim Einsatz von Filmmusik sollten ein paar Dinge beachtet werden:

  • Wie stark soll der Einsatz von Musik im Film sein? Möchte man einen unaufdringlichen Klangteppich oder sollten, wie etwa bei Animationsfilmen, Bewegungen von Figuren oder Ereignisse akzentuiert werden?
  • Welchen Rhythmus hat der Film? Welche ist die allgemeine Geschwindigkeit? Wie soll die Szene geschnitten werden?
  • Soll man die Assoziationen, die durch starke visuelle Szenen ausgelöst werden, verstärken oder konterkarieren?

All diese Fragen sollte man möglichst detailliert mit dem Regisseur besprechen. Es lohnt sich, so früh wie möglich das Drehbuch zu lesen. So kann man bereits in der Vorproduktion erste Vorschläge liefern. Oft braucht es mehrere Anläufe, um den richtigen Soundtrack zu finden. Je öfter man bereits zusammengearbeitet hat, desto besser versteht man einander und kommt schneller an den Punkt. Mit einer szenengenauen und detaillierten Anpassung kann man natürlich erst dann anfangen, wenn der Bildschnitt steht, der sogenannte Picture Lock.

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